Warum unser Junge eine Puppe hat

 

Jungs und Puppen… für die meisten Leute hier noch unverständlicher als Männer, die Elternzeit nehmen oder mit Babys im Tragetuch herumlaufen.

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Wenn mich jemand fragt, warum unser Junge denn eine Puppe hat (Ja, das fragen einen Leute. Auf dem Spielplatz, unterwegs, ganz ernsthaft. Und das traurigste: Auch andere Kinder.), dann sag ich: Weil er Puppen mag! Und weil er sich später als Erwachsener auch liebevoll um Babys kümmern soll, wenn er mal Papa oder sowas wird. Das muss man ja schließlich schon mal irgendwie üben. Wenn man keine Paschas mag, dann soll man auch keine heranzüchten. Außerdem ist es toll für Kinder, das eigens erlebte an eine Puppe weiterzugeben. Also alles was wir mit ihm machen, macht er mit der Puppe. Und mehr (das durch-die-Gegend-schleudern zum Beispiel. Ich schwöre!).

 

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Er fand die Puppen von anderen Kindern auf dem Spielplatz interessant und da stand für mich sofort fest, dass er zum zweiten Geburtstag auch eine bekommen wird. Beim Beratenwerden im Spielzeugladen wieder das gleiche. Ich sage: “Ich suche eine Puppe als Geburtstagsgeschenk für meinen Sohn zum zweiten Geburtstag.” Daran kann man nicht so viel falsch verstehen, oder? Die Verkäuferin jedenfalls schien das nicht für möglich zu halten und sprach konsequent zehn Minuten lang von “sie” und “die Kleine”. Egal wie oft ich “er” sagte. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Naja, gekauft hab ich sie trotzdem, denn sie kann sogar in die Waschmaschine…

Als es dann endlich so weit war, und er sie am Geburstagsmorgen auspacken durfte, freute er sich so so sehr! Schon als er fühlte, was sich hinter dem Papier verbirgt und die erste Hand hinausschaute, hörte er nicht mehr auf, “Puppi” Puppi!” zu rufen und uns abwechselnd begeistert anzuschauen. Sie wurde sofort in die Arme genommen und wird seither sehr lieb gehabt.

 

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Die hat er sich selber bei Budni ausgesucht. Weil er total auf Katzen abfährt. Wie oft haben andere Kinder schon gefragt, wieso er eine Mädchenflasche hat. Manche Kinder sagen auch, das kann nicht seine sein. Ich könnte jedesmal heulen. Ich sag dann immer “Wieso? Weil da rosa dabei ist?” Meistens bekomme ich dann ein Nicken als Antwort. “Aber auch Jungs können doch etwas mit rosa haben. Er hat auch rosane Kleidung. Das macht doch nichts. Ich mag auch rosa. Und blau. Außerdem hat er sich die ausgesucht, weil er Katzen mag.”. Entsetzte Blicke folgen. Ohoh, da zerstöre ich Weltbilder, von Babyalter an eintrainierte Genderscheiße.

Noch bekommt unser kleiner da nichts von mit, aber ich hab so eine Angst vor dem Tag, wo ihn andere Kinder auslachen, weil er seine geliebte Puppi dabei hat. Aber wer soll es ihnen übel nehmen, sie haben es von Anfang an nicht anders gelernt. Zum Beispiel das Kind, dessen Mutter heute morgen beim Abgeben in der Kita gesagt hat, er soll jetzt aufhören zu weinen. Er sei doch ein Junge. “Sei ein guter Junge!” Zack, Tränen unterdrückt. “Guuuter Junge.”
Ich hoffe hoffe hoffe, die Erzieherinnen wirken da etwas gegenan. Zumindest was die Puppe angeht, scheinen sie cool. Denn die darf gelegentlich mal mit in die Kita. Ist ja auch langweilig, so ein Tag alleine im leeren Kinderzimmer.